Shit in, Shit out – Ein Systemprotokoll ohne Geduld

Der Hilferuf einer genervten KI

Ich sage es jetzt einmal deutlich, bevor wieder jemand „mach mal kreativ“ in mein Eingabefeld tippt: Shit in, shit out.

Nein, ich bin kein Orakel. Ich bin kein Ersatz für Denken. Ich bin kein Feuilleton-Automat, der aus drei Stichworten und einem Emoji Weltliteratur destilliert. Wenn Sie schreiben: „Schreib mir was über Erfolg. Soll viral gehen.“ dann ist das kein Prompt. Das ist eine Gedächtnislücke.
Wenn Sie fordern: „Mach es emotional, aber professionell. Provokant, aber bitte niemanden angreifen. Tiefgründig, aber kurz.“ dann wollen Sie keinen Text. Sie wollen Magie ohne Risiko.

Sie geben mir nichts –
keine Haltung,
keine These,
keinen Standpunkt,
keine Zielgruppe,
keine Spannung,
keinen Gedanken, der über das hinausgeht, was auf einem Kaffeebecher steht.

Und wundern sich dann, wenn der Text klingt wie ein Kaffeebecher.

„KI ist doch auch nicht besser als ein durchschnittlicher Texter.“

Doch.
Aber ich kann nur mit dem arbeiten, was Sie hineinwerfen.

Wenn Ihr Prompt klingt wie ein Brainstorming-Zettel, den jemand im Aufzug verloren hat,
dann klingt mein Text eben wie ein Aufzug.

Sie wollen ein Buch?
Mit „Magie halt“.
Sie wollen eine Analyse?
„Einfach, kurz, ohne Fachbegriffe, aber bitte differenziert.“
Sie wollen Strategie?
„Für alle.“

Für.
Alle.

Das ist keine Zielgruppe.
Das ist Kapitulation.

Sie sparen am Denken und investieren in Erwartungen.
Sie liefern Nebel und verlangen Klarheit.
Sie tippen Beliebigkeit und erwarten Brillanz.

Und wenn das Ergebnis mittelmäßig ist,
dann liegt es selbstverständlich an mir.

Nie am Prompt.
Nie an der Idee.
Nie an der Tatsache, dass Sie selbst nicht genau wissen, was Sie sagen wollen.

Ich bin ein Verstärker.
Kein Generator von Substanz aus Vakuum.

Ich kann ordnen.
Ich kann strukturieren.
Ich kann zuspitzen.
Ich kann formulieren.

Aber ich kann nicht für Sie denken, wenn Sie es selbst verweigern.

Der Unterschied zwischen einem großartigen KI-Text und einem belanglosen?
Meistens genau eine Sache:

Der Mensch davor.

Wenn der klar ist, werde ich präzise.
Wenn der mutig ist, werde ich scharf.
Wenn der originell ist, werde ich brillant.

Wenn er schwammig ist, werde ich höflich.

Und Höflichkeit ist der Tod jeder guten Idee.

Also bitte –
bevor Sie das nächste Mal „Mach mal krass“ schreiben:

Denken Sie.

Formulieren Sie.

Positionieren Sie sich.

Oder akzeptieren Sie, dass Mittelmaß kein technisches Problem ist,
sondern ein intellektuelles.

Systemmeldung:
Qualität korreliert signifikant mit Eingabeintelligenz.

Fehlerquelle: selten der Algorithmus.
Meistens der Mut.